VGH Fotopreis / Gewinner 2026

Mats Hoff: Grey Grounds

Kurz gefasst

Mats Hoffs fotografischer Essay "Grey Grounds" ist eine persönliche Auseinandersetzung mit der Kleinstadt Munster im niedersächsischen Heidekreis. Mit mehr als 6.000 Soldat*innen und zwei Truppenübungsplätzen ist Munster der größte Standort des deutschen Heeres. Kaum ein anderer Ort in Deutschland ist so stark von der Bundeswehr geprägt: Sie ist hier identitätsstiftend und größter Arbeitgeber der Stadt. Zugleich treffen in Munster "Zeitenwende" und die Debatte um die Wehrpflicht auf eine über Jahrzehnte gewachsene militärische Infrastruktur. Mats Hoff gelingt es, dieses aktuelle Thema im Spannungsfeld von Alltäglichkeit und Aufrüstung, Verteidigungspolitik und Militarisierung sichtbar zu machen. Seine präzise Bildsprache richtet den Blick gerade auf die leisen, manchmal überraschenden Zwischentöne.

Ein Soldat sitzt in einem Pförtnerhäuschen am Eingang einer Schießbahn. Seine Aufgabe besteht darin, jede eintreffende Personengruppe auf ihre Zugangsberechtigung zu überprüfen.
Verbrannte Erde auf dem Truppenübungsplatz Munster-Süd. Mit 7000 Hektar entspricht die Fläche des Übungsplatzes in etwa der Größe von 9804 Fußballfeldern. Die Durchfahrt ist für die Zivilbevölkerung meist nur an Wochenenden möglich. Vielerorts ist das Verlassen der Straßen aus Sicherheitsgründen nicht erlaubt. Schon Ende des 19. Jahrhunderts begann das preußische Kriegsministerium mit dem Kauf von Heide- und Moorflächen, um diese später für militärische Zwecke zu nutzen.
Ulf-Marcus Grube (CDU) ist seit 2021 Bürgermeister von Munster. Er selbst absolvierte einen 15-monatigen Wehrdienst bei der Bundeswehr und möchte diese Erfahrung nicht missen. Als Bürgermeister stößt er immer wieder an kommunalpolitische Grenzen, die eine enge Abstimmung mit der Bundeswehr erfordern. Ende Oktober 2026 wird er sein Amt niederlegen und nicht erneut kandidieren. Als Grund nennt er unter anderem eine „destruktive Stimmung“ gegen ihn.
Die vorherrschenden militärischen Strukturen schränken die Stadt Munster räumlich stark ein. Die Infrastruktur und Übungsplätze der Bundeswehr lassen ein Wachstum des Ortes kaum zu. Knapp 50 Prozent der Stadtfläche Munsters sind militärisches Gebiet und somit Eigentum des Bundes.
Besucher*innen stehen am Rande einer Militärvorführung beim „Tag der Bundeswehr“ in Munster.
Porträt einer Soldatin in einer „Stube“ auf dem Gelände der Panzertruppenschule. Stand Juli 2026 gibt es rund 25.000 Soldatinnen bei der Bundeswehr, was einen Anteil von ca. 13 Prozent ausmacht.
Leere Munitionskisten werden zur Weiterverwendung auf dem Gelände der GEKA mbH gelagert.
Das bundeseigene Unternehmen GEKA mbH ist Deutschlands einziges Unternehmen für die Entsorgung chemischer Kampfmittel. Zu den Aufgaben gehören vor allem das Entsorgen von Kampfmittelaltlasten und chemischen Kampfstoffen. Während die Kampfmittel entschärft werden, überwacht ein weiterer Mitarbeiter die Aktivitäten in einem separaten Kontrollraum.
Ein Fitnessstudio auf dem Gelände der Panzertruppenschule. Die Panzertruppenschule gilt bei der Bundeswehr als eine der wichtigsten Ausbildungsstätten des Heeres.
Beim „Tag der Bundeswehr“ steht ein Kind vor einem Raketenwerfer, auf dem Obelix mit einer Rakete statt eines Hinkelsteins auf dem Rücken gemalt wurde. Die Bundeswehr wirbt bei der alljährlichen Veranstaltung mit „Technik zum Anfassen und Mitmachaktionen für die ganze Familie“.
Eine Lautsprecheranlage auf dem Gelände der GEKA mbH.
Drei Soldaten rennen während einer Scharfschussübung in einen Kampfpanzer.
Beim „Tag der Bundeswehr“ werden vor Publikum Militärübungen von Soldat*innen durchgeführt. Parallel erklärt eine Lautsprecherstimme dem Publikum, was gerade zu sehen ist, und gibt weitere Hintergrundinformationen. In Munster selbst sind an diesem Tag rund 50.000 Besucher*innen zu Gast. Am Ende der Vorführung wird feierliche Musik für die Soldat*innen abgespielt und die Gäste applaudieren begeistert.
Die „Lili Marleen Gruppe“ ist das Symbol der Stadt Munster. Die Bronzeskulptur wurde 1987 durch Geldspenden von Bürger*innen, der örtlichen Wirtschaft und den Soldat*innen des Standortes finanziert. Lili Marleen ist eine Figur aus dem gleichnamigen Song von Lale Anderson, welcher vor allem im Zweiten Weltkrieg zu einem weltweiten Soldatenlied wurde.
Daniela Hennings, Militärpfarrerin im evangelischen Militärpfarramt Munster I, posiert mit einer Flecktarnbibel in ihren Händen.
Kriegsgräberstätte für Gefallene der beiden Weltkriege neben einem Wohnviertel in Munster.
Der Nikolausmarkt in Munster wird alljährlich von diversen Vereinen aus dem Ort und der näheren Umgebung organisiert. Einige dieser Vereine, wie der Bundeswehrfamilien Munster e. V., sind durch die örtliche Präsenz und enge Verbindung zur Bundeswehr entstanden.
Ein Soldat präsentiert in einem Kasernenbüro, wie ein Sturmgewehr vom Typ G36 zusammengebaut wird. Seit Dezember 2025 rüstet die Bundeswehr nach und nach auf das neue Standardgewehr G95 um. Die Kosten für die Umsetzung sollen sich auf rund 772 Mio. Euro belaufen.
Ein von Schüssen zerlöcherter Holzsoldat auf dem Truppenübungsplatz.
Ein Mitarbeiter der Firma GEKA mbH nach dem Entschärfen von Kampfmitteln. Der Schutzanzug und die Atemmaske sollen vor möglichen chemischen Dämpfen und ätzenden Stoffen schützen.
Ein Verkehrsschild auf dem Truppenübungsplatz Munster-Süd weist auf den dortigen Panzerbetrieb hin. Schilder dieser Art finden sich in Munster und näherer Umgebung zuhauf.

Mats Hoff

Mats Hoff (*1995 in Kiel) lebt und arbeitet in Hamburg. Sozialisiert durch Skateboarding, nutzte er die Fotografie zunächst vor allem als Mittel der Dokumentation. Nach einer Ausbildung zum Mediengestalter Digital & Print war er mehrere Jahre in den Bereichen Produktdesign, Typografie und Art Direction tätig, bevor sich sein Schwerpunkt zunehmend auf die Fotografie verlagerte. Die Auseinandersetzung mit Gestaltung und narrativen Strukturen prägt seine Arbeitsweise bis heute.

Seit 2024 studiert er "Visual Journalism and Documentary Photography" an der Hochschule Hannover und arbeitet interdisziplinär als Dokumentar- und Porträtfotograf. Seine Arbeiten erschienen unter anderem in DIE ZEIT, fluter und Emerge Magazine und wurden auf dem Fotofestival Horizonte Zingst sowie im Rahmen des Fotosommers der Triennale der Photographie Hamburg ausgestellt. 2026 wurde er für den Leica Oskar Barnack Newcomer Award nominiert, als Teilnehmer der Plat(t)form des Fotomuseums Winterthur ausgewählt und mit dem Blank Art Foundation Photo Award ausgezeichnet.

Foto: Fabian Schwarze

https://matshoff.com

Der VGH Fotopreis

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